Der Ort:
Am besten eignet sich natürlich ein Privatgrundstück, sonst ist Kreativität bei der Suche erforderlich. Naturgemäß eignet sich ein fester Untergrund, der Strukturen bietet, die man integrieren kann, an. Des Weiteren muss sich um anfallendes Regenwasser schon im Vorfeld Gedanken gemacht werden. Hier bietet sich ein Brückenspot natürlich an wie kein zweiter, da, sowohl bestehende Banks als auch ein befestigter Boden vorhanden sind, man weitestgehend vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen ist und sich das Wasserproblem erledigt.
Entwässerung:
Die Option anfallendes Regenwasser auch bei späteren Erweiterungen eures Skateparks ableiten zu können, sollte sich offen gehalten werden. Da in den seltensten Fällen ein Kanalisationsanschluss genutzt werden können wird, müssen andere Wege gefunden werden Regenwasser der Schwerkraft zu überlassen. Dazu kann man auf erhöhtem Niveau mit dem Bau beginnen z.B. am Hang. Die Installation eines Abflusses erweist sich als sehr einfach, sofern im Vorfeld darüber Nachgedacht wird. In Unserem Fall, haben wir die Tatsache genutzt, dass wir bei einer Probebohrung durch den lehmhaltigen Boden auf eine Sandschicht gestoßen sind und außerdem einen durstigen Baum besitzen, indem wir eine 2m³ große Sickergrube ausgehoben, diese mit einer wasserdurchlässigen Fliesschicht verkleidet, und mit grobem Schotter ausgefüllt haben. Bisher hat das noch die größten Unwetter ausgehalten. Für den Fall, dass es einmal nicht mehr reicht, haben wir zusätzlich noch die Infrastruktur zum nachträglichen Einbau einer Schwimmschaltergesteuerten Pumpe installiert.
Der Untergrund:
Um optimale Langlebigkeit zu gewährleisten, sollte der Untergrund aus inkompressiblem Material wie Kies oder Schotter bestehen und möglichst alle verrottenden Stoffe vermieden werden. Erdreich sollte entwurzelt und verdichtet werden.
Verschalung und Bewährung:
Die erforderliche Dicke der Betonschicht ist etwa eine Handbreit. In der Mitte dieser Schicht ist ein Geflecht aus Bewährungseisen in etwa fußgroßen Abständen erforderlich. Die DIN schreibt zwar 10 cm Abstand vor, was allerdings die Tragfähigkeit in Dimensionen erhöht, die für Skateboarding irrelevant sind und außerdem die Wahrscheinlichkeit der Rissbildung erhöht. Die gewünschten Transitions sind nun auszusägen und möglichst starr zu verankern.
Das Eisen wird in Form gebogen und mit Draht verbunden. Zu beachten ist, dass das Eisen zum Anschluss weiterer Elemente weit genug herausragt und nicht weniger als zwei cm im Beton eingebettet ist, da es sonst rostet und Stücke aus dem Fahrbelag sprengen kann.
Falls Stahlcoping verwendet wird, muss die Bewährung angeschweißt werden. Bei Betoncoping muss eine möglichst Flache Oberkante angestrebt werden. Die Bilder vom Bau werden hier für sich Sprechen.
Der Beton:
Ein Missverständnis muss im Vorfeld ausgeschlossen werden: Beton trocknet nicht. Er reagiert mit Wasser. 90 Prozent seiner optimalen Festigkeit erreicht er nach ca. 28 Tagen.
Die Aushärtung folgt dabei einer e-Funktion, so dass man erste Probefahrten schon nach drei bis fünf Tagen wagen kann. Beton braucht eine ausreichend hohe Umgebungstemperatur um zu reagieren. Eine Temperatur von über 15 °C sorgt neben einer kurzen Reaktionszeit auch für eine höhere Endfestigkeit. Während der Aushärtung sollte der Beton möglichst nicht austrocknen, da sonst Spannungen entstehen und die Reaktion gestoppt wird. Dies kann durch regelmäßiges Befeuchten und das Abdecken mit Planen bewirkt werden. Beton ist extrem druckfest, jedoch äußerst empfindlich gegen Zugbelastung, weshalb nur mit Stahl wirklich tragfähige Strukturen erzielt werden können.
Beton durchläuft 3 Phasen. Zunächst liegt er nach dem Anmischen als Flüssigbeton vor. Dann bildet sich Zementleim, was dazu führt, dass der Beton zäher und formbarer wird. Zuletzt erfolgt das Aushärten. In dieser Phase sollte er schon seine Form besitzen und nur noch die Oberfläche bearbeitet werden. Dies alles geschieht im Zeitraum von ca. 2 Stunden.
Wichtig: Beton ist ätzend. Also immer mit Handschuhen arbeiten und Betonruckstände auf der Haut mit Essig neutralisieren, da sich sonst hartnäckige Entzündungen bilden können.
Für sehr kleine Projekte, wie beispielsweise den Wallride um die Ecke, kann einfach Betonestrich aus dem Baumarkt (40 kg 2€) verwendet werden. Mittlere Mengen, die auf diskrete Weise erzeugt werden sollen, können selbst angemischt werden. Hierzu wird Sand, Kies (Körnung 8mm) und Portlandzement im Verhältnis 3:3:1 verwendet. Eventuell ist mehr Zement erforderlich, die beste Mischung findet ihr schon heraus. Die beste Qualität und die niedrigsten Kosten erreicht ihr bei Anlieferung von fertigem Nassbeton aus dem Betonmischer-LKW. Voraussetzung hierfür ist natürlich eine Zufahrt, ein gewisses Maß an Legalität und die Manpower um solche Mengen an Beton zügig zu verarbeiten. In letztem Fall sorgt dafür, dass der Beton nicht zu flüssig geliefert wird. Der Trucker kann vor Ort noch Wasser beimischen.
Das Werkzeug:
Hier werdet ihr erstmal investieren müssen, falls ihr ein wirklich gutes Endprodukt anstrebt.
Gekrümmte Betonoberflächen mit glattem, ebenem Belag gibt es in Deutschland außer in Skateparks nirgends zu bewundern, was erklärt warum man das Werkzeug, welches für die Fertigung amerikanischer Swimmingpools entwickelt wurde, nicht so einfach im Baumarkt erwerben kann. Werden keine Ansprüche an den Belag gestellt, werdet ihr auch mit heimischem Werkzeug brauchbare Ergebnisse erzielen können. Strebt ihr jedoch einen Bowl an, durch den man mit Speed durchbrettern kann, so müsst ihr euch aus Amerika, GB oder Australien folgendes besorgen:
-Magnesium Floats mit flacher und gebogener Unterseite

Magnesium Float
-Pool Trowels mit einer Länge zwischen 8 und 12 Inch

Pool Trowell
Die Technik:
Bei Transitions ist darauf zu achten, dass der Beton nicht zu feucht ist. Er darf beim Anmischen keinesfalls fließen, sondern sollte gerade an der Grenze zum Bröckeln sein.
Für Flats ist eine fließfähige Mischung anzustreben. Der Beton wird nun mit Schwung in die Verschalungen geschleudert und sollte dort kleben bleiben und sich verdichten. Halfpipe-Segmente können mit einer Latte in rüttelnden Sägebewegungen von unten nach oben abgezogen werden. Zu beachten ist hierbei, dass in dieser Phase jegliche Bewegung des Materials ein Fließen auslöst. Deshalb sollte man sich auf möglichst wenige präzise Operationen beschränken und einfach ein wenig warten, wenn das Vert einem entgegen geflossen kommt. Corners können, sofern sie Kugel- oder Torusausschnitte darstellen, mit Hilfe von Schablonen geshaped werden. Kompliziertere Geometrien erfordern Mut und ein wachsames Auge und werden freestyle geformt. Beginnt der Beton anzuziehen, ist es Zeit, Unebenheiten mit den Magnesiumkellen zu beseitigen, Mulden und Löcher mit Material zu befüllen, und den Kies in die Oberfläche einzuarbeiten. Im Flat geschieht das mit scheibenwischerartigen Bewegungen des ganzen Armes, wobei darauf zu achten ist, dass die Kelle leicht angekippt wird. Transitions werden mit der gebogenen Kelle in 45°Winkel in ziehenden und schiebenden Bewegungen in Richtung der Kelle bearbeitet. Besonderes Augenmerk ist hierbei auf die Kanten zu lenken, sodass der Rand gerade und verdichtet ist. Ist der Beton nun fest, beginnt man in mehreren Durchgängen die Oberfläche zu glätten. Dies geschieht mit Hilfe der Pool Trowels. Diese werden so gegriffen, dass der Griff von einem wegzeigt und die bekannte Scheibenwischertechnik kommt wieder zum Einsatz. Wichtig ist, dass mit der Kante gearbeitet wird, da man sonst schnell Macken in den Beton kratzt. Nach einigen Bewegungen sollte sich eine Schmiere bilden, die durch einige Hin- und Her-Bewegungen in die Poren gedrückt wird. Sollte sich keine Schmiere bilden kann mit etwas Wasser nachgeholfen werden. Auch hier gilt: nicht übertreiben und zwischen den Durchgängen etwas warten. Mit jedem Durchgang wird der Beton etwas glatter. Wenn ihr das Flugzeug seht seid ihr definitiv Fertig.
D.I.Y.
Jeder selbstgebaute Spot hat mal klein angefangen. Also bewegt euch und fangt an zu Bauen.
Es macht Spaß und belohnt sich selbst. Für weitere Tipps sind wir natürlich für euch da.